REDEWENDUNGEN AUS DER BIBEL

Jemandem die Leviten lesen

Ein Kind kommt viel zu spät nach Hause und die Eltern lesen ihm gehörig die Leviten. Gemeint ist eine deutliche Zurechtweisung mit erhobenem Zeigefinger.
Der Ausdruck stammt vermutlich aus dem Klosterleben und geht bis ins achte Jahrhundert zurück. Den Benediktinermönchen wurde oft aus dem dritten Buch Mose vorgelesen („Levitikus“). Diesen Lesungen folgten dann
oft noch Mahnreden für Brüder, die sich danebenbenommen hatten. Das Vorlesen der Leviten wurde dadurch mit Tadel und Rüge in Verbindung gebracht.
Meist trifft ein solcher Tadel jemanden, der weiter unten in der Hierarchie steht. Ein Lehrer weist eine Schülerin zurecht, eine Vorgesetzte ihren Mitarbeiter. Aber wie liest man jemandem die Leviten, der über einem steht?
Vor dieser Aufgabe stand der Prophet Nathan. König David hatte sich schwer schuldig gemacht. Er hatte eine Affäre mit Batseba, der Frau seines treuen Soldaten Uria. Als sie ein Kind von David erwartete, ließ David den Ehemann an die vorderste Front schicken, wo dieser fiel. So konnte David die Witwe heiraten und die Sache vertuschen.
Nathan konnte einen König nicht offen anklagen. Also wählte er einen Umweg und nutzte ein Gleichnis. Er erzählte David von einem reichen Mann, der einem Armen das einzige Lämmchen wegnahm, um damit einen Gast zu
bewirten. David geriet in Zorn und sprach das Urteil über den Reichen. In diesem Augenblick drehte Nathan die Geschichte um: „Du bist der Mann!“
Eine wirksame Zurechtweisung muss also nicht immer direkt sein.
Diese Szene steht bei 2. Samuel 12,7. Die beiden Samuelbücher erzählen von David: wie er dem Riesen Goliath gegenübertritt, von der zähen Auseinandersetzung mit seinem Vorgänger Saul, vom Aufstieg zum König sowie der Rebellion seines eigenen Sohnes Absalom. David erscheint nicht als makelloser Held, sondern als Mensch mit vielen Schwächen. Gerade das macht diese Geschichten so lebendig.
Kirchengemeinderat Peter Arlt