MUT STATT MACHT

Vor 1200 Jahren soll sich Ansgar, der „Apostel des Nordens“, aufgemacht haben, den Wikingern den christlichen Glauben näher zu bringen. Das ist lange her und die Dokumente sind rar und nicht immer verlässlich.
Es hat sich wohl ungefähr so zugetragen:

Ein dänischer Großer, Harald Klak, hatte in seinem Heimatland Probleme, sich zu behaupten. Da ist er nach Süden gezogen, sich Hilfe zu holen. Die gab es damals dann vom deutschen Kaiser Ludwig dem Frommen, aber nur im Doppelpack, mit Taufe für Harald und sein Gefolge und die Landsleute vor Ort.
Jetzt musste nur noch jemand gefunden werden, der verwegen, man könnte auch sagen naiv genug war, diesen Auftrag anzunehmen. Von den etablierten, arrivierten Kirchenoberen war niemand bereit, sich auf den unsicheren Weg zu machen, den Trollen das Evangelium nahe zu bringen.

Es fand sich ein Benediktinermönch, eben Ansgar, von einfacher Herkunft, aber überzeugt von seiner Mission. Er zog zunächst nach Dänemark, war offen für die Menschen und ihre Probleme und überlegte, womit er sie erreichen könnte. Zum Beispiel befreite er junge Männer aus der Sklaverei. Er bezahlte und gab ihnen die Freiheit, weil Sklaverei nicht mit den christlichen Werten übereinstimmt. Das erzeugte Sympathie für das Christentum. Ansgar musste auch Rückschläge in Dänemark einstecken, war dann aber an anderen Orten nachhaltig erfolgreich. Sonst würden wir uns nach 1200 Jahren wohl kaum noch an ihn erinnern. Davon zeugen viele Denkmäler, wie in Hamburg an der Trostbrücke, Ansgar mit seinem Attribut, einer Kirche, in der Hand.

Und heute? Viele große Gebäude, wie Ansgar eines auf der Hand balanciert.
Aber wo ist Gemeinde, christliche Gemeinschaft? Es ist wieder an der Zeit, auf Menschen zuzugehen und ihnen zuzuhören. Was sind die Probleme und wie kann Kirche helfen? An der Trostbrücke schaut Ansgar gerade auf eine große Baustelle. Auch im Kirchenkreis wird über große Umbauten nachgedacht.
Vielleicht können wir uns an Ansgar ein Beispiel nehmen: unerschrocken, offen und überzeugt auf Menschen zugehen.
Heidrun Jenkner, Kirchengemeinderätin