REDEWENDUNGEN AUS DER BIBEL

Treueschwüre

Jeder kennt diese Worte aus einer kirchlichen Trauung: „Bis (dass) der Tod euch scheidet.“ Dieser Schwur klingt feierlich, aber auch altertümlich.

Der Ursprung dieses Satzes liegt vermutlich nicht in einer Trauzeremonie, sondern eher auf einer Straße zwischen Moab und Bethlehem. Dort spricht eine junge Frau überraschende Worte. Noomi ist Israelitin aus Bethlehem. Als eine schwere Hungersnot ihr Heimatland trifft, zieht sie mit ihrer Familie ins Nachbarland Moab. Dort sterben ihr Mann und beide Söhne. Mittellos macht sie sich auf den Heimweg und drängt ihre beiden Schwiegertöchter, bei ihren eigenen Familien zu bleiben. Orpa folgt diesem Rat, Rut aber begleitet Noomi.

In Rut 1,16–17 spricht sie (Lutherbibel 2017): „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.“
Rut stammt aus Moab und ist somit eine Fremde. Ihr Entschluss, bei Noomi zu bleiben, ist bewusst getroffen. Sie entscheidet sich, ihr Leben mit einer älteren, mittellosen Frau zu teilen, ohne dabei auf eine Gegenleistung zu hoffen. Das macht ihre Entscheidung bis heute bemerkenswert.

Das Buch Rut im Alten Testament ist für mich besonders, denn es erzählt von starken Frauen und zeichnet sich durch Fremdenfreundlichkeit aus. In Kapitel 2 sammelt Rut nach alter Sitte Ähren auf dem Feld, was einen Hinweis auf das Gebot der Rücksicht auf Arme und Fremde gibt. Kapitel 4 berichtet, dass Boas die Moabiterin Rut heiratet und ihr Sohn Obed wird der Großvater Davids. So gehört die Ausländerin Rut zum Stammbaum Jesu (Matthäus 1,5).

Peter Arlt, Kirchengemeinderat