REDEWENDUNGEN AUS DER BIBEL „gewogen und zu leicht befunden“

Viele deutsche Redewendungen haben ihren Ursprung in der Bibel, meist in der Übersetzung von Martin Luther. In den kommenden Gemeindebrief-Ausgaben werden einige dieser Redewendungen vorgestellt.
Im Duden-Band 11 wird „gewogen und zu leicht befunden“ so erklärt: „den sachlichen, fachlichen, ethischen o.ä. Anforderungen nicht genügend …“.
Diese Redewendung wird gelegentlich benutzt, wenn wir über Menschen urteilen, die unseren Erwartungen nicht entsprechen.
Diese Worte finden sich im Buch Daniel, das vom Judäer Daniel u.a. im babylonischen Exil handelt. Im fünften Kapitel feiert der babylonische König Belsazar ein rauschendes Fest, bei dem er aus Übermut aus heiligen
Gefäßen des Jerusalemer Tempels trinkt: ein Akt der Gotteslästerung. Aus dem Nichts erscheint eine geisterhafte Hand und schreibt rätselhafte Worte an die Wand.
Nur der Prophet Daniel kann die Schrift deuten. Daniel 5, 25 bis 27 (Lutherbibel 2017): „So aber lautet die Schrift, die dort geschrieben steht:
Mene mene tekel u-parsin. Und sie bedeutet dies: Mene, das ist, Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Tekel, das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden.“
In der Antike symbolisierte die Waage Gerechtigkeit und göttliches Urteil.
Die Vorstellung, dass Gott das Herz eines Menschen prüft (wiegt), zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Bei Belsazar fällt dieses Urteil vernichtend aus: Er verhöhnte heilige Gegenstände aus dem Jerusalemer
Tempel. Noch in derselben Nacht wird er getötet.
Zwei bekannte Erzählungen über die Rettung aus dem Feuerofen und der Löwengrube werden im dritten bzw. sechsten Kapitel des Daniel-Buches erzählt.
Peter Arlt, Kirchengemeinderat