GOTT SPRICHT: „SIEHE, ICH MACHE ALLES NEU.“

Sofort kommen mir zwei Gedanken. Der erste ist: „Toll, endlich passiert mal was und ich muss mich nicht um alles selbst kümmern!“ Der zweite ist: „Wie soll das denn gehen, bei all dem Chaos um uns herum?“ Betrachtet man die aktuelle Weltlage und auch unseren kleinen Hamburger Kosmos, könnte man diese Jahreslosung auch albern finden, zynisch vielleicht, mindestens aber unrealistisch. Alles neu? Wohl kaum!
Vor der letzten Sitzung der Langenhorner Kirchengemeinderäte hat „unsere“ Prädikantin Kathrin Stahmer zur Einstimmung eine kleine Andacht zur Losung gehalten. Ich habe dabei erkannt, dass die Losung neben dem offensichtlichen Versprechen auch eine Aufforderung enthält und ich möchte ein Bild entwerfen, zu dem ebenfalls Kathrin mich inspiriert hat, um Ihnen diese Erkenntnis näherzubringen.
Unsere Welt ist wie ein Haus, ein Gebäude, das dringend einer Sanierung bedarf. Viele der Arbeiten, die nötig sind, um alles wieder in Schuss zu bringen, kann ich nicht selbst erledigen. Vielleicht habe ich eine Idee, eine Vision, wie es sein könnte, und auch gewisse Fähigkeiten, aber ich brauche Menschen, die mir helfen, diese Vision umzusetzen. Und wie es so ist auf einer großen Baustelle, es kommen Menschen aus unterschiedlichen Richtungen und Verhältnissen zusammen, die sicher nicht immer die gleiche Sprache sprechen, deren Vorstellung u.U. sogar von meiner abweicht. Trotzdem ist das Ziel für alle dasselbe: die Sanierung des Gebäudes. Hier kommt die Jahreslosung wieder ins Spiel: da ist jemand, der hilft, der eine Zusage macht, die uns begleitet in Unzulänglichkeit, Erschöpfung und Verzweiflung darüber, es nicht schaffen zu können. Sie sagt eben nicht: „Entspann Dich, ich mache das für Dich!“ sondern sie sagt: „Ich helfe Dir, tu Deinen Teil und ich tue meinen.“
Der entscheidende Faktor dabei ist das ZUSAMMEN. Keiner kann die vor uns liegenden Aufgaben allein bewältigen. Es braucht alle Hände, alle Köpfe und alle Ideen dazu. Manchmal bedeutet das, dass der Weg länger ist als erhofft. Manchmal muss der Plan geändert werden, weil sich die Umgebung geändert hat. Aber die Losung gibt mir die Gewissheit, dass Gott bei alldem an meiner Seite steht, uns die nötigen Instrumente, die richtigen Begleiter an die Hand gibt, auch wenn wir das nicht sofort erkennen oder wieder einmal alles zu viel wird.
Kathrin beendete ihre Andacht mit diesem Absatz, den ich gern zitiere ich: Aus dieser Stimmung heraus höre ich die Jahreslosung. Gottes „Ich mache alles neu“ ist kein billiges Versprechen – es ist eine Verheißung, die uns einlädt, offen zu bleiben für das, was wachsen will – auch wenn wir es noch nicht sehen. Eine Verheißung, die uns entlastet: Wir müssen nicht alles lösen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott längst begonnen hat, Neues zu schaffen.
Ich freue mich auf das Jahr 2026. Mit Ihnen allen!
Daniel Hagemann (Kirchengemeinderat)