ERINNERUNGEN AN BETTINA RUTZ

Wir hatten ein Abschiedsritual. Bettina: „Mach’s gut!“ Ich: „Danke für die Ermahnung!“ Sie, mit freundlich ernster Stimme und leichter
Kopfbewegung: „Sehr gern!“
Feiner trockener Humor – das war sie auch.

Über sie als Gemeindepastorin kann ich natürlich wenig sagen, aber alles, was ich hörte, war positiv. Sie war beliebt als Pastorin, als Seelsorgerin, als Predigerin, eben als „Hirtin“ ihrer Gemeinde. Das war sie mit Herz und Mund und Tat und Leben – und ehrenamtlich auch im Leitungsteam Notfallseelsorge. Ich habe sie als Kollegin gemocht, sie war unprätentiös und präsent, sie war nicht auf Provozieren aus, sondern auf Zusammenhüten, stand mit beiden Beinen auf der Erde und hielt den Kopf am Himmel, herzlich und irgendwie (immer) positiv gestimmt. Und aufmerksam. Ich habe sie und ihre Konfirmand*innen jährlich auf eine Exkursion zum Ohlsdorfer Friedhof begleitet, und jedes Mal bedankte sie sich mit einem kleinen Geschenk.

Als sie in die Krankenhausseelsorge wechselte, dachte ich: Was für ein Verlust für die Region Langenhorn! Aber ich konnte sie gut verstehen: Wenn noch einmal Neues, dann doch jetzt, mit 50. Recht hatte sie – aber nicht lange gut davon gehabt. Bettina erkrankte schwer und wusste irgendwann auch, dass es kein Entrinnen gab. Die letzten 4 Monate ihres Lebens verbrachte sie im Hospiz, ich habe sie dort jede Woche besucht. Sie führte  Terminkalender, so viele wollten sie sehen! Sie wusste, dass sie sterben würde – und sie nahm es, wie es war. Ich fand sie unglaublich tapfer. Und verstand gleichzeitig gut, dass sie zunehmend ungeduldig wurde – noch am Leben zu sein, wenn man außer Besuchen – immerhin! – nicht mehr viel erlebt und weiß, dass man kaum Zukunft hat.

Für ihre Traueranzeige hatte sie dieses Zitat gewählt: „Ich setzte meinen Fuß in die Luft und sie trug.“ Das ist Glaube, Halt im Unsichtbaren zu finden, und man spürte ihr ab, dass sie ihn dort fand, wohl auch einbrach, auch das gehört dazu, aber immer wieder fand. Ich werde Bettina vermissen und denke am liebsten an den letzten Abend Ende Mai, den wir in meinem Haus verbrachten: Lachs und Spargel, sie hat es genossen – das nämlich konnte sie auch: das Leben genießen.
Pastor i.R. Helge Martens