Unser Organist geht in den Ruhestand – Dank an Walter Gödecke

Seit Advent 1957 zieht Walter Gödecke die Register und gibt den Ton in den Gottesdiensten von St. Jürgen an. Er folgte damit seinem Lehrer Walter Gebhardt. Seine A-Prüfung hatte er an der Staatlichen Hochschule für Musik abgelegt. Über Zwischenstationen in Nienstedten und an St. Nikolai war er nun in unserer Gemeinde für den Organistendienst und die Chor-Arbeit mit Kindern und Erwachsenen tätig. Viele unserer Gemeindeglieder haben durch ihn die Freude am Singen und an der Musik entdeckt.

Besonders sein Interesse am liturgischen Orgelspiel führte dazu, dass der damalige Bischof Wölber ihn bat, zum Eröffnungsgottesdienst der lutherischen Bischofskonferenz zu musizieren. Ein Jahr danach spielte er die Orgel beim ZDF-Fernsehgottesdienst. Er nahm maßgeblichen Einfluss auf den Bau unserer Orgel durch die Bautzener Firma Eule (damals DDR). Durch seinen Schuldienst konnte er in St. Jürgen seine musikalische Arbeit fortsetzen, obwohl die Organistenstelle um die Hälfte gekürzt werden musste.

Neben der Chorarbeit und der Choralbegleitung im Sonntagsgottesdienst spielte er an zahllosen Tauf- und Hochzeitsfeiern. Leise und kindgemäße Lieder oder die glänzenden

Einzugsstücke einer Trauung: Unser Organist hat ein Gefühl für die augenblickliche Situation. Die oft mehrere hundert Jahre alten Choräle spielt er in immer neuen Farben. Damit holt er sie in unsere Zeit.

Bis heute spürt man seine Leidenschaft, seinen Phantasiereichtum und seinen raffinierten Umgang mit den Registern seines Instruments. Dabei musste er sich seinen Beruf gegen den Willen des Vaters erarbeiten. Sein Klavierlehrer und Organist hatte ihn einst in der Marienkirche von Winsen/Luhe einige Orgeltöne spielen lassen und dabei verschiedene Register ausprobiert: „Da wurde mir klar: Ich will Orgel spielen.“ Aber als Nachkriegskind prägte ihn auch die Jazz-Musik: „Damit konnte ich anfangs viel Geld verdienen.”

Bis heute spürt die Gemeinde, dass Walter Gödecke die Orgel immer äußerst behutsam und mit Respekt behandelt. In der Weihnachtsnacht, wenn die „Engel auf den Feldern singen“, lässt er das Instrument jedoch zusammen mit dem Posaunenchor in einer Weise jubeln, dass Glanz, Verehrung und große Freude an der geistlichen Musik wohl niemanden unberührt lässt. Die St. Jürgen-Zachäus-Gemeinde dankt Walter Gödecke für 62 Jahre engagierte, zuverlässige und inspirierende Kirchenmusik.

Am 6. Januar, nach dem Epiphaniasgottesdienst, wollen wir ihn bei einem Beisammensein im Gemeindehaus in den Ruhestand verabschieden.

Wolfgang Peper