Jugendarbeit in Zeiten von Corona

In letzter Zeit schaue ich seltener in meinen Kalender. Manchmal nehme ich ihn aber doch zur Hand: Kindergruppentreffen, Jugendausschusssitzungen, Treffen der Zeltlagergemeinschaft, Konfirmationen, Teamer-Ausbildung. Heute: Vorbereitung der Kinderbibelnacht. Man eilt förmlich durch das Kirchenjahr und vergisst dabei, wie gut und wichtig so manch eine Veranstaltung ist. Und jetzt? Abgesagt, verschoben, leere Räume, Stille.

Aktuell gibt es weniger Terminstress. Es ist Zeit für das, wofür ich sonst nie Zeit hatte:

Aufräumen zum Beispiel. Es freut mich: Unser Instagram-Auftritt unter „Ej_Langenhorn“ wird deutlich intensiver genutzt. Aber wenn ich in mich hineinhorche, spüre ich es: Es sind die Beziehungen, die unsere Arbeit und unsere Gemeinde ausmachen. Es ist gut, dass es heutzutage digitale Medien gibt, über die man kommunizieren kann. Aber die Medien ersetzen nicht reale Begegnungen von Angesicht zu Angesicht. „Wo 2 oder 3 in meinem Namen zusammenkommen…“ Evangelische Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit mit Menschen, die sich real begegnen. Die Absage unseres Kinderzeltlagers tut weh – in über 70 Jahren Zeltlagergemeinschafts-Geschichte ein einmaliger Vorgang. Aber: Uns verbindet ein Geist, ein Licht, das in uns brennt, auch wenn wir mal für eine Zeit nicht zusammenkommen können. Man denkt aneinander. Man telefoniert miteinander. Man trifft sich auf der Straße.

Und es tut gut.

Einigen wird gerade bewusst, wie wichtig eine Gemeinde mit offenen Kirchtüren im eigenen Stadtteil ist. Ich merke, dass es nicht nur die vielen Veranstaltungen sind, die uns zusammenbringen, sondern es besteht eine tiefe Verbundenheit im Geiste. Wenn wir gemeinsam ruhig werden, in den Lichtschein einer Kerze blicken und jemand die ersten Akkorde von „Von guten Mächten“ auf der Gitarre zupft: „Lass warm und still die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.“

Im Namen von Ej Langenhorn wünsche ich allen Familien Gottes guten Segen und hoffe, dass wir alle ganz bald wieder zusammen laut und leise sein dürfen.

Michael Grüttner