Jubilate

Wochenspruch
Ist jemand in Christus, so ist er
eine neue Kreatur; das Alte ist
vergangen, siehe, NEUES ist
geworden.
(2. Korintherbrief, 5,17)

Der wahre Weinstock (Joh. 15, 1-8)
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Gedanken

Heute ist der Sonntag „Jubilate“ – Dieser Sonntag nach Ostern feiert die Schöpfung und rühmt ihre Schönheit. Und Jesus findet dafür ein wunderbares Bild, ebenso schön wie einleuchtend.
Jesus erzählt von dem Weinstock und seinen Reben. Für alle ist sofort einsichtig: die Rebe, die nicht mehr am Weinstock hängt, die bringt keine weitere Frucht, sie vertrocknet. Sie wird verbrannt und zu Asche.

Die Rebe aber, die mit dem Weinstock verbunden ist, die wächst und nimmt zu. Der Vergleich, den Jesus nennt, verstehen wir: Wer an Jesus „hängt“, der wächst, gewinnt an Kraft und er bringt Frucht für Gott. So können wir den Schöpfer ehren. Das ist unsere Aufgabe, in allem, was wir tun, von Gott reden und seinen Willen in der Schöpfung umsetzen.
Aber wir wissen, ganz ehrlich, nicht allen Menschen ist alles möglich, selbst bei größtmöglichem Einsatz. Die vergangenen Wochen, in denen das Thema „Corona“ die Medien bewegte, hat es uns ganz deutlich gezeigt.

Niemand ist allein fähig, die Welt zu retten, manchmal noch nicht einmal in der größten Gruppe. Kein Land – und sei es noch so christlich gesinnt – ist aus sich heraus fähig, die Welt zu verbessern, wenn nicht noch andere Länder guten Willens sind. Unsere Kräfte, das Gute im Sinne Gottes zu tun, sind begrenzt.

Das kann aber andererseits keine Entschuldigung dafür sein, nichts zu tun. Wir tun, was uns möglich ist. Wir tun, was in unseren kleinen Kräften steht. Auch von kleinen Kräften darf man groß denken und sagen: Wer eines Menschen Leben besser machen kann, soll das tun. Und wer eines Menschen Leben besser macht, macht die Welt besser.

Auch das ist in den letzten Wochen deutlich geworden. Die kleinen Hilfen für die Nachbarn oder Freunde, ein kurzer Anruf, ein Brief, der Gruß über den Gartenzaun – wir sehen uns wieder an, bewusster als noch vor ein paar Wochen.

​Manchmal können wir doch mehr tun, als uns bewusst ist. Wir können achtsam sein auf die Menschen, mit denen wir leben, die uns brauchen wie wir sie. Die Menschen in unserer Familie, in unserer Nachbarschaft, auf der Arbeit oder in den Vereinen, im Stadtteil, in unserer Kirchengemeinde. Auf sie können wir achten und sie hoffentlich auf uns.

Viele Menschen sind jetzt zurückgeworfen auf ihre engste Familie, manch einer lebt ganz allein und der spürt, wie wichtig die Beziehung zu anderen ist. Nicht nur, um am Wochenende was zu erleben, sondern ganz grundlegend – ich brauche ein Gegenüber, um zu spüren, wer ICH bin.

Wer eine Ahnung davon hat, dass er Menschen braucht, wird achtsam sein auf sie. Und wird versuchen, friedlich und gerecht zu ihnen zu sein, liebevoll. Und das nicht trügerisch oder berechnend, sondern in allem aufrichtig. Wie Jesus war.

Jesus hieß nicht alles für gut, er achtete aber die Menschen. Und sprach ihnen niemals ab, ein Kind Gottes zu sein, eine Rebe am Weinstock. Gott nährt uns, Gott stärkt uns, Gott gibt uns Leben, dass sich lohnt.

Gebet

In dir bleiben,
Christus.
Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen,
was du uns gibst.
Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du gibst die Kraft.
Aus dir strömt sie.

Gib sie denen,
die müde sind,
die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor
dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.
Du bist der Friede.
Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen,
die Kriegsherren und
die Lügner.
Ihr Gift sei wirkungslos,
weil du ihre Opfer heilst.
Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.
Du bist die Liebe.
Du machst alles neu.
Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus
und bei den Liebenden,
denn ohne dich verlieren sie sich.
Du Liebe,
sprich zu uns,
zu deiner Gemeinde
und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei uns.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock.
Erbarme dich
heute und alle Tage, die kommen.
Amen.

Pastorin Astrid Wolters

Bild: Rainer Sturm/pixelio