Endlich!

Endlich – diesen Seufzer kennt wohl jeder, der am letzten Arbeitstag den Schreibtisch aufgeräumt hat, nach Hause gefahren ist und die Beine hochlegt – endlich! Urlaub! Zwei oder drei lange Wochen nur Zeit für sich oder die Familie, das Zuhause und den eigenen Balkon oder Garten, Zeit für Ausflüge, Freunde, eine Urlaubsreise. Endlich!
Sie kennen das vermutlich auch: Der Alltag – beruflich und privat – nimmt uns gefangen, lässt kaum Ruhe für Abstand und Luft, für einen Blick aus etwas Distanz. Wir sind mitten drin – das ist schön, einerseits. Und andererseits stellen wir uns manchmal die Frage, ob wir das Leben wirklich so leben, wie wir es wollen. Oder ob von außen bestimmt wird, wie unser Leben verläuft. Vieles ist natürlich festgelegt, die Schule muss besucht und die Wohnung sauber gehalten werden, keine Frage. Aber wenn wir durch die Überstunden mal wieder ein Treffen mit der besten Freundin oder einen Kinobesuch absagen müssen – dann kommt schon die Frage auf, ob das das wahre Leben ist?
Ich träume manchmal davon, einfach in den Tag hinein zu leben. Und stelle mir vor, wie schön es wäre, wenn ich das immer könnte.
„Alles hat seine Zeit“, so heißt es im Alten Testament, „säen hat seine Zeit, ernten hat seine Zeit, weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“
Nicht mehr arbeiten müssen, „end-loser“ Urlaub – die Langeweile würde mich irgendwann packen. Es ist ja nichts Besonderes mehr.
Endlich! In diesem Wort steckt das Wort „Ende“ schon mit drin. Das, was wir so heiß ersehnen, hat irgendwann auch wieder sein Ende. Das spornt uns an, etwas mit Hingabe zu genießen, den Moment wahrzunehmen – und ihn dann wieder gehen zu lassen. Vieles in unserem Leben erwarten wir mit dieser unbändigen Freude – den Hochzeitstag, die Geburt eines Kindes, den Schul- oder Berufsabschluss, eine neue Wohnung. Und wir merken, dass die Zeit uns die Freude des Anfangs langsam abschwächt, dass der Alltag eintritt oder dass ein Ende naht. Das Kind zieht aus, das Haus wird verkauft, der Partner stirbt.
Alles beginnt irgendwann und es hat ein Ende. Und auch unser Leben ist „end-lich“. So kostbar durch die begrenzte Zeit. Wie können wir diese geschenkte Zeit gut nutzen? Wir alle versuchen, unseren Weg zu finden, als Christen auch und gerade in der Begegnung mit Gott. Vielleicht ist der Sommer, vielleicht ist die Urlaubszeit eine Möglichkeit, um anzuhalten und sich wieder neu auszurichten, auch auszurichten auf Gott. Endlich!
Zusammen mit den Mitarbeitern der Gemeinde St. Jürgen-Zachäus wünsche ich Ihnen eine gesegnete Sommerzeit.
Ihre Pastorin Astrid Wolters