Die herbe Dorfschöne oder St. Jürgen wird 80!

80 Jahre St. Jürgen – Wie kam es zum Bau der Kirche?

Quelle: Archiv des Landeskirchenrats

Weite Teile der Ländereien im Dorf Langenhorn waren seit dem Mittelalter im Besitz des Hamburger Hospitals St. Georg. Kirchlich gehörte Langenhorn damals zur Pfarrei Eppendorf, dessen Kirchspiel 17 Dörfer umfasste. 1893 bekam Fuhlsbüttel dann eine eigene Kirche: St. Lukas. Bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts war St. Lukas auch für Langenhorn zuständig und sämtliche kirchlichen Amtshandlungen fanden am Erdkampsweg statt. Für die Langenhorner Gemeindemitglieder, zum Beispiel die Konfirmanden aus dem Raum Ochsenzoll, bedeutete dies sehr lange Wege. Als Folge des im Jahre 1918 fertig gestellten Baus der U-Bahn nach Ochsenzoll und intensiverer Bebauung, wie z. B. der Fritz-Schumacher-Siedlung, stiegen die Einwohnerzahlen in Langenhorn stark an. Nun brauchte man dringend eine Kirche in Langenhorn. Im Jahr 1930 wurde als „Ableger“ von St. Lukas die Ansgar-Kirche an der Langenhorner Chaussee 266 geweiht. Die 1935 selbstständig gewordene Kirchengemeinde Ansgar hielt alsbald den Bau einer Kirche in Langenhorn-Nord für notwendig und beauftragte 1936 den bekannten Hamburger Kirchenarchitekten Gerhard Langmaack mit dem Entwurf für eine Kirche am Eichenkamp, Ecke Bornweg (heute: Stockflethweg). Infolge der damals schon beginnenden Eisen- und Stahlbewirtschaftung wurde der erste Bauantrag abschlägig beschieden. Der Kirchenvorstand von Ansgar beantragte dann ein fast „eisenloses“ Bauprojekt, das Ende 1937 genehmigt wurde. Diesem Umstand verdanken wir die umfassende Verwendung von Holz in St. Jürgen: insbesondere an der zimmermannsartig verarbeiteten Orgelempore, den Balken im Kirchengewölbe, den Bänken, der Kanzel und Taufe. Mit der Grundsteinlegung am 1. Ostertag 1938 begann der Bau. Nachdem der Landesbischof den zunächst gewählten Namen „Ernst-Moritz-Arndt“ abgelehnt hatte, entschied sich der Kirchenvorstand von Ansgar für den Namen St. Jürgen. Die niederdeutsche Form für St. Georg sollte an den Bezug zum St. Georg-Hospital erinnern. Die Kirche mit den Nebengebäuden wurde in der beachtlichen Bauzeit von 12 Monaten fertiggestellt. Kosten: 135.000 RM. Am Sonntag Laetare, dem 19. März 1939, wurde die Kirche geweiht. Der aus Kirche, Gemeindesaal (heute „alter Saal“) und Pfarrhaus bestehende Gebäudekomplex präsentiert sich heute noch im Inneren und Äußeren weitgehend im ursprünglichen Zustand mit Ausnahme der 1976 erweiterten Orgelempore und der 1997 installierten Fotovoltaikanlage. Das Rundfenster im Altarraum wurde 1955 eingebaut, war aber schon in der Planung von 1937 vorgesehen. Der heutige Gemeindesaal und das Mitarbeiterhaus kamen später (1962 bzw. 1964) hinzu.

Quelle : Archiv des Landeskirchenrats

Manche sagen: St. Jürgen sieht aus wie eine von einem Erstklässler gezeichnete Kirche: Gedrungenes Kirchhaus mit Satteldach und Turm mit Spitzhelm. Wie man das auch sieht: Wir freuen uns über unsere herbe Dorfschöne. Sie hat sich trotz ihrer 80 Jahre gut gehalten und wurde im Jahr 2003 unter Denkmalschutz gestellt.

Wolfgang Trautmann

Den 80. Jahrestag der Kirchweihe wollen wir in St. Jürgen mit einem Festgottesdienst am 31. März 2019 um 10 Uhr feiern.

Quelle: Langenhorn-Archiv Möller