Das zusätzliche Gedeck

Ein Platz ist für Jesus! In einigen Familien gibt es diese Tradition. In Polen beispielsweise ist sie ein fester Bestandteil des Weihnachtsessens: Auf dem festlich gedeckten Tisch steht ein
zusätzliches Gedeck. Dieser Brauch erinnert an die Weihnachtsgeschichte, als Maria und Josef in Bethlehem keine Herberge fanden. Der Platz für Jesus am Esstisch drückt aus: Er ist präsent und mitten unter uns. An Weihnachten feiern wir sein Kommen in die Welt.
Das zusätzliche Gedeck hat noch eine Funktion – es steht für einen unerwarteten Gast bereit.
Das kann ein verspätetes Familienmitglied sein, ein Freund oder Nachbar, der allein ist. Vielleicht aber auch ein Reisender oder Fremder. „Ist ein Gast im Haus, so ist Gott im Haus“, lautet ein altes polnisches Sprichwort. Das hohe Gebot der Gastfreundschaft war schon in biblischen Zeiten eine gesellschaftliche Verpflichtung. Mit seiner Einhaltung steht Gottes Segen in Verbindung. Damit waren insbesondere die Versorgung und die Beherbergung von Reisenden gemeint.
Die Fürsorge, besonders für Schwache und Bedürftige, bezieht Jesus im Matthäusevangelium auf sich selbst: „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Auf die Nachfrage, wann das gewesen sein soll, antwortet Jesus: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“
Detlef Schneider

Bild:gemeindebrief.de