Corona: Glauben ohne Kirchenschiff

Auf einmal müssen wir Gottesdienste in den Kirchgebäuden meiden, um uns durch den Corona-Virus nicht anzustecken: Es könnten zu viele Menschen anwesend sein. Als Pastor kann ich mich an keine vergleichbare Situation erinnern. Und doch ist es ein christliches Gebot, Leben zu schützen und andere, auch uns selbst, nicht zu gefährden. Es gilt auch und gerade für uns, den guten Rat der Mediziner zu beherzigen: Bleibt zu Hause!

Das Leitungsteam des Kirchengemeinderates von St. Jürgen-Zachäus hat daher in Abstimmung mit den Langenhorner Nachbargemeinden und der Nordkirche beschlossen, nahezu alle kirchlichen Angebote zunächst bis Ostern auszusetzen. Das betrifft etwa den Konfirmandenunterricht, die Reihe „KafeeKulturGlaubenssachen“, den Förderkreis, die „Kafee-Zeit“, „Frühstück bei Zachäus“, die Andacht für Trauernde, die Kinder- und Jugendgruppen, Joga, den Chor, den Posaunenchor, den Gesprächskreis im Schröderstift und die Biographiewerkstatt.

Zu den Gottesdienstzeiten halten wir das Kirchgebäude zur stillen Andacht geöfnet; die Glocken schweigen jedoch.

Junge Eltern, aber auch Alleinstehende und Einsame werden die nächsten Wochen vielleicht als anstrengende oder traurige Zeit erleben: Kirche spielt sich nicht mehr in einem gemeinsamen Raum oder in kirchlichen Kinderkreisen ab. Anderen mag es eine Zeit der Nachdenklichkeit und des „In sich gekehrt Seins“ werden. Ich denke an die großen Herausforderungen für Medizinerinnen und Mediziner, die ihre Kraft dafür einsetzen, den erkrankten Corona-Patienten zu helfen.

Auf die Frage, was das höchste Gebot sei, sagt Jesus im Matthäus-Evangelium: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt…Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ Dieses Gebot Jesu möge uns in den nächsten Wochen besonders nahe sein. Auf seine Begleitung wollen wir uns verlassen, wo immer wir sind, auch, wenn wir unser Gotteshaus zeitweise vermissen werden.

Wolfgang Peper